U - Verlagerung Deckname "Dachs 1" C3a

Der Mineralölsektor des Dritten Reichs war einer der wichtigsten Industriezweige innerhalb der Kriegsmaschinerie. Die bis dato alle oberirdisch gelegenen Raffinerien und Hydrierwerke in Bremen, Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Leuna, Magdeburg und Pölnitz waren ab dem 12.05.1944 den systematischen Fliegerangriffen durch die Amerikaner ausgesetzt. Alle diese Fabriken stellten Treibstoff für die Flugzeugmotoren her, und ohne Flugzeugtreibstoff konnte der Krieg nicht lange am Leben gehalten werden. Nach den Angriffen zwischen dem 12. und dem 28. Mai des Jahres 1944 waren die deutschen Hydrierwerke und Raffinerien fast komplett, zu etwa 90% zerstört worden. Um den drohenden Ölkollaps zu entgehen wurde eiligst gehandelt und innerhalb kürzester Zeit ein Sonderstab für Sofortmaßnahmen im Mineralölsektor gegründet. Leiter des sogenannten „Mineralölstabs“ wurde der ehemalige Leiter des Hauptausschusses Munition Edmund Geilenberg. Nach ihm wurde auch das „Geilenberg-Programm“, der Mineralölsicherungsplan im Juni 1944 benannt. Technischer Berater des Geilenberg-Programms wurde Dr. Karl Krauch, der Chef des Konzerns IG Farben (Wuppertal). Das Geilenberg-Programm bestand im Wesentlichen daraus die zerstörten Anlagen der Mineralölindustrie wieder aufzubauen, und zwar bombensicher in Steinbrüchen und Stollenanlagen. Kleinanlagen sollten überall im Reich in versteckten Steinbrüchen errichtet werden. Die großen Hydrierwerke und Raffinerien sollten in bombensicheren Stollensystemen untergebracht werden. Doch kaum ein Grubenfeld eines Bergwerks war geeignet derart große Maschinen aufzunehmen.

  

 

Deshalb wurden vor allem für die Hochdruckhydrieranlagen neue gigantische Stollen in alten Gips-, Kalk-, und Sandsteinbrüchen aufgefahren. (Projekte Schwalbe und Kuckuck) Eine Ausnahme stellt die hier vorgestellte U-Verlagerung Para dar. Zusammen mit der U-Verlagerung Dachs 5 war die U-Verlagerung Dachs 1 das einzige Verlagerungsprojekt des Geilenberg-Programms, welches in ein vorhandenes Stollensystem untergebracht werden sollte. Das geförderte Erdöl sollte zunächst in vierzig Kleinanlagen verarbeitet werden. Diese Kleinanlagen waren die sogenannten Ofen-Anlagen, welche sich überall im Reich in gut getarnten Steinbrüchen erbaut wurden. Diese Kleindestillieranlagen lagen in der Regel weit ab vom Schuss, versteckt in kleinen Steinbrüchen mitten in den waldreichen Gebirgen der Republik. Die Ofen-Anlagen bestanden aus einer Doppelanlage und wurden bis auf wenige Ausnahmen auch vollständig erbaut und in Betrieb genommen. Die Produktionsrückstände dieser kleinen Geilenberg-Anlagen sollten unter Anderem in den großen Dachs-Anlagen zu Schmierölen weiter verarbeitet werden. Insgesamt waren 10 unterirdische Produktionsanlagen vom Typ „Dachs“ geplant. Die hier vorgestellte U-Verlagerung „Para“ war die am weitesten fortgeschrittene Dachs-Verlagerung überhaupt. In den Stollen des ehemaligen Sandsteinbergbaus im Jakobberges im Wesergebirge entstand so zwischen März und Dezember 1944 eine 15.000 Quadratmeter große unterirdische Fabrik zur Schmierölherstellung. Die U-Verlagerung C3a sollte ab Produktionsbeginn pro Monat 4.000 Tonnen Schmieröle herstellen. Betreiber der Untertageverlagerung an der Porta war die NERAG (Neue Deutsche Erdölraffinerie A.G) aus Hannover. Produktionsbeginn sollte im Juni 1945 sein. 

Textquelle:übertage-untertage.de

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